OpenStreetMap und mein Abenteuer „Web-Mapping“

In meinem ersten Tagebuch-Eintrag soll es um die Begegnung mit OpenStreetMap und den damit verbundenen Beginn einer abenteuerlichen Reise durch die Welt der Geo-Informatik gehen. –

Es war etwa 2007, als ich das erste Mal etwas über die freie Weltkarte OpenStreetMap las; und die Idee, dass die Daten für eine Landkarte von Freiwilligen zusammengetragen werden, faszinierte mich. Ich meldete mich bei als Benutzer bei OpenStreetMap an und begann alsbald, als sog. „Mapper“ tätig zu werden. Ich hatte mir seinerzeit ein GPS-Gerät zugelegt und mich daran erfreut, wie es meine (oder genauer: seine) Bewegungen aufzeichnen und später mithilfe sog. Tracks am Computer sichtbar machen konnte. Und nun konnte ich diese aufgezeichneten Spuren meiner Spaziergänge, Jogging- oder Radrouten ins Internet laden und sie zu einem Teil dieser Landkarte machen:

Mein erster nach OSM geladener GPS-Track

Nach einigen Tagen wurde dann aus diesem „meinem“ Track eine neue Route in der OpenCycleMap, der Fahrradkarte auf Basis der OSM-Datenbank:

Ausschnitt der OpenCycleMap auf Basis der OSM-Daten mit Radroute „PC11“

Ich war ein Teil der Community geworden! – Und das machte Spaß und motivierte mich, weiterhin am Aufbau der großen Weltkarte mitzuwirken. –

Ich fuhr später mit dem Fahrrad und meinem GPS-Gerät systematisch die Fahrradrouten Luxemburgs ab und erfasste deren Verläufe als sog. Relationen in OSM.

Fahrrad, mit GPS-Gerät bestückt

Ich sammelte zudem Informationen über die administrative Gliederung Luxemburgs und trug sie ebenfalls als Relationen in OSM ein (WikiProject Luxembourg/Borders). Um mich für die anderen Mapper nützlich zu machen, schrieb ich eine ausführliche Anleitung über die Kennzeichnung  von Radwegen und das Mapping von Adressen.

Nachdem ich eine Weile Daten in den großen OSM-Topf hinein gekippt hatte, wollte ich diese auch irgendwie nutzbar machen – und da sie ja alle die Koordinaten aus meinem GPS-Gerät enthielten, lag es nahe, eine Web-Karte zu bauen und die Daten darauf anzuzeigen…

Meine Tätigkeit als Software-Entwickler lag über 10 Jahre zurück und es gab viel Neuland zu betreten: ich verstand, dass ich es in Javascript programmieren und eine Library finden musste, die Karten und darauf befindliche Objekte anzeigen kann. Javascript schien einfach zu erlernen, und im Web fand ich das OpenSource Projekt OpenLayers (damals noch in der Version 2), durch dessen Doku-Seiten ich mich fraß (ein zeitraubendes Unterfangen!). Ein Blick in die Sourcen von OpenLayers zeigte mir schnell, dass Javascript und Javascript nicht dasselbe sind… ich verstand praktisch nichts von dem, was in diesen Modulen vor sich ging. Aber das musste ich ja zunächst auch nicht.

Ich wollte auf der Web-Karte hauptsächlich die selbst gemappten Fahrradrouten sowie Fahrradgeschäfte  und Fahrrad-Verleihstationen anzeigen. Das in Luxemburg-Stadt installierte Fahrrad-Verleihsystem vel’oH! wollte ich durch andersfarbige Marker (in vel’oH-Blau 😉 ) besonders hervorheben und von allen Stationen ein Foto und die aktuellen Belegungsdaten anzeigen. Für Ortsunkundige sollte die Karte eine Hilfe sein, um sich ein Fahrrad zu leihen und damit das Ländchen zu erkunden.

Das waren große Pläne – bei der Realisierung steckte der Teufel im Detail: Aus der riesigen, die Welt umspannenden OSM-Datenbank mussten die Daten für Luxemburg extrahiert werden. Aus der großen Vielfalt der Funktionen in OpenLayers galt es die richtigen herauszufinden. Die luxemburgischen OSM-Daten mussten in eine GIS-fähige Datenbank eingelesen werden, dazu brauchte man entsprechende Programme. Das Auslesen der Daten musste auf dem Server erfolgen (da Node.JS noch nicht erfunden war, bot sich PHP an – das ich allerdings auch nicht kannte) und die geografischen Objekte dann auf die Karte auf dem Client gebracht werden, usw. usw. …

Letztlich verwendete ich dann verschiedenste Technologien, um die Website www.velomap.lu zu entwickeln, die hier mal stichwortartig aufgezählt seien:

Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen, wie ich seinerzeit fand:

Webseite velomap.lu – Freie Fahrradkarten aus OpenStreetMap

Die Marker wurden sogar geclustert, d.h., beim Hinauszoomen wurden dicht beieinander liegende Marker durch ein Clustersymbol ersetzt, damit die Karte nicht zu unübersichtlich wird (umgekehrt wird durch einen Klick auf ein Clustersymbol zunächst der Cluster aufgelöst und in die Karte hineingezoomt). Außerdem konnte man die Linien und Marker anklicken und detaillierte Information zu dem jeweiligen OSM-Objekt erhalten.

Diverse Suchfunktionen rundeten den Funktionsumfang ab. Und für alle vel’oH! Stationen gab’s sogar ein selbst geschossenes Foto:

vel’oH Station am Bd. Konrad Adenauer

Heute kann man allerdings mit diesem Web-Design niemanden mehr begeistern – es ist nicht für Mobilgeräte optimiert und damit schon mal für das Gros der potentiellen Anwender uninteressant. Die Seite ist zwar derzeit noch online, wird aber spätestens zum 31.8.2017 offline gehen. Pläne für einen Relaunch gibt es bereits…

Vor einigen Monaten nun ist mir eine Idee zugetragen worden, die mich zu einer Neuentwicklung – und damit einer neuen Reise durch die Technologie-Welt – motiviert hat: die Suche von nächstgelegenen Geldautomaten anhand der OpenStreetMap-Daten (finde.cash!). Die kommenden Blog-Einträge werden sich mit dieser Entwicklungsarbeit beschäftigen.

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